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Schilddrüse

Etwa 2% aller Frauen und 0,2% der Männer leiden an einer Überfunktion der Schilddrüse, insgesamt 3 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Schilddrüsenerkrankung. Dies sind allerdings die offiziellen Zahlen. Laut FOCUS 5/2004 belaufen sich 7,1 % aller ärztlichen Diagnosen auf Kropf und 18,6 % auf Stoffwechselstörungen. Man schätzt, dass inzwischen 30 % aller Deutschen Probleme mit der Schilddrüse haben.
Generell besteht die Tendenz, Schilddrüsenerkrankungen zu verharmlosen. Häufig wird gar keine S. fehlfunktion diagnostiziert sondern eine der peripheren Symptome als Aufhänger für die Diagnose von allem Möglichen benutzt. Bedingt durch die große Spannbreite der durch eine S.erkrankung ausgelösten Beschwerden reicht dies von Magen-Darm-Erkrankungen über Chronische-Erschöpfungs-Syndrome, Schlafstörungen, Migräne, Herzbeschwerden bis zu Haut- und psychischen Erkrankungen.

Bis zu einem (individuell verschiedenen) Schwellenwert von Jod im Blut wirkt über die Nahrung oder als Medikament aufgenommenes Jod stimulierend auf die Bildung von Schilddrüsenhormen und kann damit Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion bewirken.

Ab diesem Schwellenwert behindert Jod die Bildung und Abgabe von S.hormonen. Bei Aufnahme von hohen Joddosen über einen längeren Zeitraum kann es zu einer längerfristigen Blockade der Jodaufnahme und dadurch zu Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion kommen (siehe Thyreostatika).

Auch die Nachbarschaft zu Kernkraftwerken und deren vermuteten Jod-131-Ausstoss wird als Ursache von Schilddrüsenerkrankungen angenommen. Mir Sicherheit läßt sich sagen, dass die Zunahme von Auto- immun- und Schilddrüsendysfunktionen auf die erhöhte Konzentration von Chemikalien in unserem Wasser und unserer Umgebung zurückzuführen ist. (siehe [4])

Neben Jod gibt es noch eine Reihe anderer Umweltgifte, die eine Störung der Schilddrüse bewirken kön- nen. Dazu gehören Pilz-, Insekten-, Unkrautvertilgungsmittel, die berüchtigten polychlorierten Biphenyle (PCB), Weichmacher, Dioxin, Blei und aromatische Kohlenwasserstoffe, oder das als MTBE bekannte Methyltertiärbutyl, ein mit Sauerstoff angereicherter Stoff, der dem Benzin zugesetzt wird sowie andere Chemikalien, die als “endokrine Störfaktoren” agieren. Auch Aspartam (ein in Light-Produkten verwen- deter Süßstoff), Aspirin (behindert den S.stoffwechsel), Rheuma- und Schmerzmittel, Tumortherapien, Antidepressiva sowie Chlor und ->Fluor können die Schilddrüse schädigen.
Es handelt sich hier um toxische Summationsgifte. Für solche Stoffe ist charakteristisch, dass nicht die Dosis sondern die Irreversibilität der Wikung auch kleinster Dosen den entscheidenden Faktor für die Giftigkeit darstellt. Bei gleichzeitigem Vorkommen mehrerer Gifte ist der Gesamteffekt (das Kombinations- risiko) nicht kalkulierbar. (Bruker/Gutjahr S. 85ff).

Schilddrüsenkranke reagieren besonders empfindlich auf Jod.

1. Schilddrüsen-Überfunktion
 1.1
Thyreostatika
2.
Schilddrüsen-Unterfunktion
 2.1
Kropf
3.
Hormonvergiftung (Thyreotoxische Krise)
4.
Morbus-Basedow
5.
Schilddrüsenentzündung (Hashimoto)
6.
Schilddrüsenautonomie, autonome Knoten
7.
Schilddrüsenoperation
8.
Radiojodtherapie

Schilddrüse

Die Schilddrüse ist eine fleischige rosabraune Drüse, die zu beiden Seiten des Kehlkopfes liegt und ca.
30 g wiegt. Das Schilddrüsengewebe ist reich mit Blut versorgt. Die S. besteht aus winzigen runden Drü- sensäckchen (Follikeln), die ein geleeartiges Material enthalten. Diese Follikel bilden die Schilddrüsenhor- mone Trijodthyronin, welches 3 Jodatome enthält (T3) und Tetrajodthyronin kurz als Thyroxin bezeichnet, welches 4 Jodatome enthält (T4), welche dann an Eiweiß angelagert und als ein Gel gespeichert werden. Die wirksame Hormonform ist das T3. T4 dient als Reserve, aus der mit Hilfe von Enzymen das T3 hergestellt wird. Für die Synthese des Schilddrüsenhormons Thyroxin benötigt die Schilddrüse Jodatome. Nur eine gewisse Menge an T3 wird von der Schilddrüse direkt erzeugt, der Rest wird durch Entfernung eines Jodmeloküls vom meist inaktiven T4 gebildet. Dieser Dejodination genannte Prozeß kann auch in einigen anderen Organen stattfinden, u.a. im Hypothalamus, einem Teil des Gehirns. Falls Sie Jodallergiker sind, können Sie auf das frei werdende Jod allergisch reagieren.

Hormone

Wie das Adrenalin wird das Schilddrüsenhormon Thyroxin aus Thyrosin gebildet. Jod gelangt mit dem Blut in die Schilddrüse und wird dort nach mehreren Zwischenschritten, unter anderem der Jodination und der Jodisation, in die Schilddrüsenhormone eingebaut. Täglich werden durchschnittlich 100 µg T4 und 10 µg T3 gebildet und in der Schilddrüse gespeichert. Das im T3 und T4 enthaltende Thyreoglobulin wird aus den Schilddrüsenfollikeln ausgeschieden und in kleinen Hohlräumen, den Schilddrüsenfollikeln, zwischen- gelagert. Der dort gespeicherte Vorrat an Schilddrüsenhormonen ist in der Regel so groß, daß der Körper einige Monate ohne Iod auskommen kann. Der größte Teil der erzeugten Thyrosine wird aber in der Schilddrüsenzelle dejodiert, und das Jod wird zur Neusynthese von Hormonen verwendet.
Bei Bedarf werden die Hormone dann an das Blut abgegeben. Im Blut sind beide Hormone zu über 99% an Transporteiweiße gebunden und nur ein sehr geringer Anteil liegt als freies, also ungebundenes Hormon vor. Man spricht dann von freiem T3 (FT3) und freiem T4 (FT4). Stoffwechselaktiv sind nur die freien Hormone. Die Halbwertzeit für T3 beträgt zwanzig Stunden, die für T4 acht Tage. Unter der Halbwertzeit ist in diesem Fall die Zeit zu verstehen, nach der sich die ursprünglich vorhandene Menge dieser Hormone auf die Hälfte reduziert hat. Die Bildung der Schilddrüsenhormone wird durch einen Rückkopplungsmechanismus in übergeordneten Zentren im Gehirn, dem Hypothalamus und der Hypophyse, gesteuert.

Bei einem Mangel von Schilddrüsenhormonen im Blut wird im Hypothalamus das Thyreotropin-Releasing- Hormon (TRH) freigesetzt, das wiederum in der Hypophyse die Freisetzung des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) bewirkt, das seinerseits dann direkt die Schilddrüse zur Hormonbildung anregt. Forschungen zeigen, dass das TSH in den kälteren und lichtärmeren Monaten auf natürliche Weise absinkt und in den wärmsten Monaten auf hohe Normal- oder sogar Überfunktionswerte steigt.

S.hormone steuern u.a. den Grundumsatz des Körpers (d.h. des Niveau seines Sauerstoffverbrauchs bei vollständiger Ruhe und in unbelasteter Situation), die Stoffwechselrate, die Freisetzung von freien Fett- säuren aus dem Fettgewebe und die Cholesterinsynthese.

Bestimmung der Hormonwerte

Bei der Messung der eiweißgebundenen Schilddrüsenhormone in einer Blutprobe werden nicht die Hormone an sich gemessen, sondern nur das in den ausgefällten Serumeiweißen enthaltene Jod. Obwohl normaler- weise fast alles eiweißgebundene Jod (PBI=protein bound iodine) aus T4 und T3 stammt, entstehen häufig irreführend hohe Werte, weil organische Jodverbindungen (wie z.B. gewisse Darminfizienzien und Röntgen- kontrastmittel) und unspezifisch jodierte Serumeiweiße (z.B. bei Zufuhr hoher Joddosen über die Nahrung) mitbestimmt werden. Die Messung des PBI gibt zudem nur eine Konzentration, d.h. einen statischen Wert an, sagt aber nichts über die Umsatzgeschwindigkeit der im Blut befindlichen Hormone aus: da sie bei der Hyperthyreose ansteigt und bei der Hypothyreose abfällt, können sowohl die Überfunktion wie die Unter- funktion der Schilddrüse mit mit einem normalen PBI-Gehalt einhergehen.
Andererseits läßt sich häufig erkennen, dass abnorme Werte nicht auf einer Erkrankung der Schilddrüse sondern auf einer Vermehrung oder Verminderung der T4-Vehikelproteine beruhen.
(Klinische Pathophysiologie, Walter Ziegenthaler)

Auch wenn keine Funktionsstörungen der Schilddrüse vorliegen, können unspezifische Beschwerden auftreten, z.B. Angst, Unruhe, Schlafstörungen, Verdauungsstörungen, Menstru- ationsstörungen, Herzstolpern, Akne, Haarausfall, häufig Sehstörungen, Impotenz. Die Bestimmung der Hormonwerte erlaubt keine sichere Diagnose .

Dies hat seine Ursache darin, dass jedes Ereignis, das die normale Synthese von Schilddrüsenhormonen erschwert (z.B. durch die o.g. endokrinen Störfaktoren, Thyreostatika oder im Übermaß aufgenommenes Jod) sehr rasch zu einer Verminderung der Hormonsekretion führt, und zwar auch in der gesunden Schilddrüse, die mit Hormonvorräten für viel Wochen vollgepackt ist. Der Hypophysenvorderlappen reagiert schon auf einen mit den üblichen Methoden nicht meßbaren Abfall der T4-Konzentration im Blut mit einer Mehrsekretion von TSH, was bei entsprechend veranlagten Menschen zu einer Überproduktion von Hormonen führen kann. 

Ebenso können durch die Übersensibilisierung auf die Neurotransmitter Adrenalin und Noradrenalin Beschwerden auftreten (->Neurotransmitter).

1. Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose)

Wenn die Schilddrüse zu viele Hormone produziert entsteht eine Überfunktion (Hyperthyreose). Aber auch aus Jod und Tyrosin erzeugte schilddrüsenhormonähnliche Substanzen können alle Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion auslösen (siehe Hormonvergiftung).
Die Symptome der Überfunktion sind vielfältig. Die meisten Symptome sind sogenannte Allgemeinsymp- tome. Wer wäre nicht einmal nervös oder würde vorrübergehend an Schlaflosigkeit leiden? So schleichen sich viele Symptome heimlich ein, ohne dass an eine Krankheit gedacht wird. Erst wenn zur Schlaflosigkeit Heißhunger, übermäßiges Schwitzen, Durchfall, Zittern und Herzklopfen treten und sich nicht spontan bessern, wird der Arzt aufgesucht.
Viele Erkrankte nehmen das Herzklopfen auch als schlafraubendes Pochen in den Ohren wahr.

Welche Beschwerden können auftreten?

  • Herzklopfen, Herzrasen
  • hoher Blutdruck
  • Nervosität, Reizbarkeit, Rastlosigkeit
  • Muskelschwäche, Muskelschmerzen
  • Zittern der Hände
  • Schlafstörungen
  • Schwitzen, feuchtwarme Haut
  • Heißhunger und Durst
  • Gewichtsverlust trotz großer Essensmengen
  • Kopfschmerzen
  • Durchfall
  • Störungen im Menstruationszyklus (unregelmäßige oder verstärkte Blutungen, Ausbleiben der Regelblutung)
  • Zunahme des sexuellen Bedürfnisses ( auch Abnahme möglich, wenn auch seltener)

Der Erkrankte erlebt sich als nervös und rastlos. Seine Umwelt nimmt ihn als reizbar und angespannt wahr. Kein Wunder, sämtliche Zellen laufen gleichsam auf Hochtouren.Durch die Hormone angestachelt möchte er in kurzer Zeit viel erreichen, bringt aber zu wenig Konzentration und Geduld für die von ihm übernomme- nen Aufgaben auf. Viele Patienten bemerken diese Veränderungen an sich selbst. Da sie die Veränderun- gen aber nicht einordnen können, fühlen sie sich zusätzlich gereizt.
Alle Sinneswahrnehmungen werden intensiviert. Die Welt wird farbiger wahrgenommen. Auch Gefühle werden intensiver erlebt. Die Stimmungsausschläge sind in den positiven wie in den negativen Bereichen größer. Schilddrüsenhormone sensibilisieren den Körper für die Wirkung von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin. Lärm z.B. (ursprünglich als Alarmsignal vom Körper interpretiert, was quasi instinktiv die Ausschüttung von Adrenalin auslöst) wird dadurch lauter und störender empfunden.

Jede akute Überfunktion der Schilddrüse führt zur Herzmuskelverkrampfung. Man findet eine Rezeptorvermehrung am Herzen nach einer Schilddrüsenüberfunktion und dadurch ein Persistieren (Weiterbestehen) der Herzmuskelverkrampfung, auch wenn inzwischen von Seiten des Stoffwechsels eine Unterfunktion besteht. Es wird angenommen, dass es bei einer Hyperthyreose zu einer Vermehrung der Rezeptoren für Schilddrüsenhormone kommt, die lebenslang bestehen bleibt. Auch nach der Entfernung der Schilddrüse kann es zu Problemen am Herzen unter der Substitution mit T3 und T4 kommen:
Bei kompletter Substitution des Hormondefizits würde eine derartige Herzmuskelverkrampfung angefacht, dass ein resultierender Sauerstoffmangel ganz schnell in die Angina pectoris oder in die Herzinsuffizienz führen könnte. Manchmal muss eine Unterfunktion des Stoffwechsels in Kauf genommen werden, um Schlimmeres zu verhüten

1.1 Thyreostatika

Thyreostatische Medikamente verhindern die Synthese und in Falle von Jod die Sekretion von Schilddrüsen- hormonen. Sie dienen daher der symptomatischen Therapie einer Hyperthyreose (Überfunktion). Es ist nicht bekannt, warum gewisse Hyperthyreosen nach monatelanger Behandlung mit Thyreostatika definitiv ausheilen. Möglicherweise ist die Tasache, dass der Morbus Basedow bei der Hälfte der Patienten spontan wieder abklingt für die “Heilwirkung” der Thyreostatika verantwortlich.

Je nach Wirkungsweise unterscheidet man 3 Gruppen von thyrostatisch wirkenden Substanzen:

  1. Thyreostatika vom Perchlorattypus behindern den Jodtransport in der S.drüsenzelle.
     
  2. Thionamide verhindern erstens die orgainsche Bindung des akkumulierten Jods und zweitens die Kopplungsreaktion die die Hormone T3 in T4 überführt. Zu diesen Stoffen gehören Thioharnstoff, Thiouracil und Mercaptoimidazol.
     
  3. Jod. Ab einem gewissen, individuell verschiedenen, Schwellenwert blockiert Jodid im Blut die organische Bindung aller weiteren herantransportierten Jodidatome. Die Wirkungsweise ist dann dem der unter 2. genannten Thionamide gleich zu setzen.
    Darüber hinaus blockiert Jod in pharmakologischen Dosen ( > 2 mg/Tag, wie sie in heutigen Nahrungsmitteln deutscher Herkunft schon häufig vorkommen) als einziges Thyreostatikum die Sekretion von bereits gespeicherten Hormonen. Die Folge ist eine Schilddrüsenunterfunktion.

2. Schilddrüsen-Unterfunktion

Wenn zu wenig Schilddrüsenhormonen gebildet werden oder durch zu hohe Jodaufnahme nicht ins Blut abgegeben werden können kommt es zur Unterfunktion (Hypothyreose). Die Symptome der Unterfunktion sind ebenfalls zahlreich und schleichen sich langsam ein.

Welche Beschwerden können auftreten?

  • Müdigkeit
  • Konzentrationsschwäche, Gedächtnisschwäche
  • hoher Blutdruck ( seltener niedriger Blutdruck ) mit Puls<70
  • Depressive Stimmung, Depression
  • trockene, struppige, stumpfe, und glanzlose Haare
  • Verstopfung
  • Myxödem, teigige trockene Haut
  • Kälteintoleranz
  • Gewichtszunahme
  • Zyklusstörung der Frau
  • Abnahme des sexuellen Verlangens
  • nächtliches Kribbeln und Einschlafen von Händen und Unterarmen (Karpaltunnelsyndrom)

Die Unterfunktionssymptomatik äußert sich vor allem in Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Das Gewicht nimmt trotz normaler oder verringerter Nahrungsmenge zu. Menschen mit einer Schilddrüsenunter- funktion neigen zum Frieren.

Die Schilddrüse eines noch ungeborenen Kindes reagiert auf sehr hohe Joddosen in der Nahrung der Mutter mit der Abnahme der Sekretion von Schilddrüsenhormonen, d.h. es entwickelt bereits im Mutterleib eine S.unterfunktion. Dies wird “Wolf-Chaikoff-Effekt” genannt.

Bei Erwachsenen kann es bei einer Aufnahme von hohen Joddosen über einen längeren Zeitraum zu einer längerfristigen Blockade der Jodaufnahme und dadurch zu einer Schilddrüsenunterfunktion kommen.

2.1 Kropf

Wenn der Körper zu wenig Jod aufnimmt oder verwertet, versucht die Schilddrüse mehr Jod einzufangen, indem sie ihre Oberfläche vergrößert. So entsteht das nicht gefährliche, aber unangenehme Jodmangel- struma: der Kropf. Die Entstehung dieser Krankheit läßt sich vermeiden, indem man sich ausgewogen und abwechslungsreich ernährt.

Ein Kropf kann auch Folge der Überdosierung von thyrostatischen Medikamenten oder von kongenitalen Enzymdefekten sowie Jodverwertungsstörungen sein.

Ein “echter” Jodmangelkropf wird durch schwersten Jodmangel ausgelöst. Ursache hierfür ist meist extrem einseitige Mangelernährung, wie sie z.B. nach dem Krieg auftrat. Schon seit den siebziger Jahren gibt es aber in Deutschland quasi keine Jodmangelerkrankungen mehr.

Es ist recht schwer zu erkennen, ob eine S.drüse normal oder vergrössert ist. Bei der Größe spielen Jodkonsum und genetische Faktoren eine Rolle. Es gibt Mediziner, die annehmen, dass es einen “unsichtbaren Kropf” gibt, den man von aussen nicht sieht. Bedingt durch diese “Neudefinition” haben nun angeblich 40-50 % der Bevölkerung einen (Jodmangel)-Kropf (den man dann ordentlich und natürlich teuer über viele Jahre behandeln kann). Lassen Sie sich nicht beirren, einen Kropf sieht und/oder fühlt man, einen unsichtbaren Kropf” gibt es nicht.

Häufig wird bereits eine nur leicht oder mäßig vergrößerte Schilddrüse mit Jodtabletten “behandelt”. Die Schilddrüse verkleinert sich dann oft, was dann als großer therapeutischer Erfolg gewertet wird. Nicht selten verkümmert jedoch die Fähigkeit der Schilddrüse, Jod aufzunehmen und zu speichern (worauf ja wohl die Verkleinerung beruht). Bei Absetzen oder Reduktion der Jodmedikation schwillt die Schilddrüse dann u.U. wieder an, so dass ab dann dauerhaft Jodtabletten eingenommen werden müssen. Wenn dann durch das Jod, häufig erst nach Jahren, Probleme in Form einer wirklichen Schilddrüsenerkrankung oder einer Allergie auftreten, ist man in einer ziemlichen Zwickmühle.
Die Frage ist, ob hier nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Die vergrößerte Schilddrüse an sich stellt keine Gefahr und schon gar keine tödliche Bedrohung für den Organismus dar, sondern verur- sacht lediglich Schluckbeschwerden, was recht unangenehm sein kann. Der Preis, den man jedoch für die Verringerung dieser Unannehmlichkeit bezahlt, ist das Risiko, schwer und dauerhaft zu erkranken. 
Besser wäre sicher, die eigentliche Ursache der vergrößerten Schilddrüse festzustellen (Ernährung, Lebensgewohnheiten, Belastung mit Umweltgiften) und daran ggf. etwas zu ändern. Aber das ist ein manchmal langwieriger und aufwendiger Prozess, den die meisten Ärzte nicht zu leisten bereit sind. Viele Patienten erwarten zudem heutzutage im Zeitalter der “modernen Medizin” von ihrem Arzt eine “Instantheilung” und sind selber gar nicht bereit, an ihren Lebensgewohnheiten etwas zu ändern. Zudem wiegt in unserer oberflächlichen und nur noch auf Äußerlichkeiten bedachten Gesellschaft ein sichtbarer “Makel” wie eine vergrößerte Schilddrüse schwerer, als das Risiko, sich eine schwere Krankheit zuzuziehen, die man von außen auf den ersten Blick nicht sieht.

3. Symptome der Hormonvergiftung (Thyreotoxische Krise)

Wird die Überfunktion nicht erkannt, kann sich eine lebensbedrohliche Hormonvergiftung entwickeln: die thyreotoxische Krise. Die Krise kann durch vermehrt aufgenommenes Jod in der Nahrung, durch jodhal- tiges Röntgenkontrastmittel oder andere jodhaltige Substanzen (Desinfektionsmittel, Farben, etc.) ausgelöst werden. (siehe ->Jodvergiftung) Die Sterblichkeit in der thyreotoxischen Krise ist hoch. Sie beträgt bis zu 50%!
Aber auch ohne eine S.überfunktion kann eine Hormonvergiftung auftreten, nämlich dann, wenn beim Zubereiten von Nahrungsmitteln (wahrscheinlich auch durch das Verdauungssystem selber) aus jodiertem Salz und Aminosäuren, bevorzugt ->
Tyrosin (in Käse, Milchprodukten, Erbsen, Bohnen), hormonwirksame Verbindungen entstehen. Bei empfindlichen Personen können diese schilddrüsenhormonähnlichen Substanzen dieselbe Wirkung wie körpereigene Hormone entfalten, nur dass die so auftretenden Hormonmengen die der körpereigenen Hormone um ein vielfaches übersteigen können. Bei den üblichen Bluttests (TSH, T3, T4, fT3, fT4) werden diese Verbindungen aber nicht erkannt, so dass Patient und der behandelnde Arzt nicht selten vor einem Rätsel stehen und dann schnell eine Diagnose in Richtung “psychisch krank” gestellt wird.

Welche Beschwerden können auftreten?

  • alle Symptome der Überfunktion in stärkerer Ausprägung
  • Puls über 150 Schläge pro Minute
  • Herzrhythmusstörungen
  • Unruhe und gesteigerte Bewegungen
  • Bewusstseinstörungen bis zum Koma
  • Psychotische Zeichen, Verwirrtheit

4. Symptome der Morbus-Basedow-Immunerkrankung

Der Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, die den gesamten Körper betrifft und nicht nur die Schilddrüse. Die Symptome des Morbus Basedow sind vielfältig und schleichen sich meist langsam ein, so dass der Betroffene es zunächst kaum merkt. Auch das abrupte Einsetzen der Symptome ist möglich. Neben Schilddrüsen-Überfunktionssymptomen treten Symptome der Immunerkrankung und gelegentlich auch der Schilddrüsenunterfunktion auf.

Zusätzlich zu den Symptomen der Überfunktion können Symptome auftreten, die durch die Störung des Immunsystems hervorgerufen werden. In einigen Fällen ist eine Abgrenzung, ob die erhöhten Schilddrüsen- hormone die Beschwerden verursachen oder die Immunerkrankung an sich, nicht möglich.

Welche Beschwerden können auftreten?

  • Augenerkrankung (endokrine Orbitopathie)
  • Gelenkschmerzen und Schwellungsgefühl in den Gelenken (eventuell auch hormonell ausgelöst)
  • Rückenschmerzen ohne sicheren organischen Befund
  • Muskelschmerzen (eventuell auch hormonell ausgelöst)
  • Verhärtung von Sehnen und Muskeln
  • unterschiedliche Hautveränderungen, Haarausfall
  • Knochenneubildung an den Fingerendgliedern (Akropachie)
  • derbe Hautveränderungen an den Streckseiten der Unterschenkel (prätibiales Myxödem)
  • Stimmungslabilität (sowohl durch Immunkrankheit ausgelöst, als auch durch hormonelle Veränderungen)
  • Übelkeit und Magen-Darmprobleme (eventuell auch hormonell ausgelöst)
  • allgemeine Schwäche
  • grippeähnliche Symptome
  • Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen
  • (Trigeminusneuralgie)

Eine Zusammenfassung zu dem Thema findet sich in Morbus_Basedow.pdf.

5. Schilddrüsenentzündung (Hashimoto Thyreoditis)

Diese immunologisch bedingte Form der Entzündung führt zu einer allmählichen Zerstörung des Schild- drüsengewebs und in der Folge zu einer Unterfunktion. Allerdings kann in der Frühphase durch Zerstörung von Gewebe auch eine Überfunktion auftreten. Die Symptome werden zunächst kaum bemerkt. Die Krankheit verläuft chronisch und in Schüben. Zahlreiche Forschungsergebnisse weisen auf einen Zusam- menhang zwischen erhöhter Jodzufuhr und dem Auftreten von Hashimoto hin. Die flächendeckende Jodierung führt stets zu einer dramatischen Häufung der Krankheit.

Es gibt auch eine akut verlaufende S.entzündung. Eine sichere Bestimmung ist nur durch Punktion möglich. Die Beschwerden (Druck- und Schluckbeschwerden im Hals, Fieber, Gliederschmerzen) sind heftig.

Zusätzlich zu den Symptomen der Schilddrüsenfehlfunktion können Symptome auftreten, die durch die Störung des Immunsystems hervorgerufen werden. In einigen Fällen ist eine Abgrenzung, ob die veränderten Schilddrüsenhormone die Beschwerden verursachen oder die Immunerkrankung, nicht möglich.

Zu beachten ist, dass der größere Teil der Hashimoto Erkrankten nach einem angepassten Schilddrüsen- hormonersatz keine Symptome der Immunerkrankung zeigt. Die Variationsbreite der Hashimoto Thyreoiditis kann von symptomlosen Formen bis zu Formen mit verschiedenen Symptomen reichen.

Welche Beschwerden können auftreten?

  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen (eventuell auch hormonell ausgelöst)
  • Verhärtung von Sehnen und Muskeln
  • unterschiedliche Hautveränderungen, (z.B. Urticaria, Rosazea)
  • Trockenheit der Schleimhäute (Sicca Syndrom)
  • Stimmungslabilität (sowohl durch Immunkrankheit ausgelöst, als auch durch hormonelle Veränderungen)
  • Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen
  • neurologische Symptome (Neuritiden), Schwindel
  • extrem selten epileptische Anfälle, Halluzinationen, psychiatrische Symptome (Hashimoto Encephalopathie)
  • allgemeine Schwäche
  • Blutarmut (perniziöse Anämie)
  • Übelkeit und Magen-Darmprobleme, Verdauungsprobleme (Zoeliakie)
  • Augenerkrankung (endokrine Orbitopathie)
  • grippeähnliche Symptome
  • Lymphknotenschwellung
  • Fieber (selten)
  • Erhöhte Leberwerte
  • Schwellungen an Armen, Beinen, Bauch und im Gesicht

Die Immunkrankheit kann sich auf diverse Organsysteme und Gewebe außerhalb der Schilddrüse auswirken. Nach Aussage von Herrn Prof. Dr. Hengstmann, sind bereits eine Million Hashimoto-Patienten bekannt und tragen ca. 30 % der Deutschen die Veranlagung dazu in sich.

Unter http://hl-reuters.de/jod/PDF/FlyerHT.pdf finden Sie eine sehr informative Broschüre mit nützlichen Tips zum Thema Hashimoto.

Eine sehr interessante Dissertation von Tom Wuchter zum Thema “Einfluss der renalen Elimination auf die Serumspiegel des nicht hormongebundenen Jods bei Patienten mit Morbus Hashimoto” finden Sie unter http://www.diss.fu-berlin.de/2007/145/ insbesondere im Kapitel ‘Diskussion’. Dort geht er auch auf die generelle Wirkung von Jod auf die Bildung von Autoimmun- und SD-Erkrankungen ein.
In der Zusammenfassung kommt er zu dem Schluss: “Der generell gesteigerte Jodkonsum der Bevölkerung und nicht ein differierender extrathyreoidaler Jodstoffwechsel (also eine Störung des Jodstoffwechsels, a.d.A.) scheint für das häufigere Auftreten von Autoimmunthyreoiditiden (Autoimmunerkrankungen) bei genetisch disponierten Individuen verantwortlich zu sein.”

6. Schilddrüsenautonomie, autonome Knoten

Die Schilddrüsenautonomie wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Morbus Basedow abgegrenzt. Unter Autonomie versteht man Eigengesetzlichkeit bzw. eine Unabhängigkeit von äußeren Einflüssen. Im Falle der Schilddrüsenautonomie bedeutet dies die Abkopplung der bedarfsgerechten Hormonproduktion von der Kontrolle durch die übergeordneten Zentren im Hypothalamus und in der Hypophyse.

Für Zeiten und Gegenden, in denen das Spurenelement Jod in der Natur nur in geringem Umfange vorhanden ist, verfügt die kleine Schilddrüse über einen Notmechanismus, nämlich über kleine autonome Areale, die nicht der Steuerung durch Hypothalamus und Hirnanhangdrüse unterliegen, sich vielmehr nach Bedarf zu Knoten (kleinen "Hormonfabriken") ausbilden und mit allen überhaupt erreichbaren Spuren- mengen an Jod ungebremst Hormone produzieren. Reicht auch das nicht aus, stellen sich Jodmangel- Erkrankungen ein (u.a. die Kropfbildung). Wird andererseits eine Schilddrüse mit einem oder mehreren autonomen Knoten und einem bisher geringen "natürlichen" Jodangebot plötzlich einer künstlich erhöhten Jodzufuhr ausgesetzt (z.B. Jodzusätze in Lebensmitteln), kommt es nicht selten zu einer überhöhten Hormonproduktion (Überfunktion) und zu individuell unterschiedlichen Überfunktions-Erkrankungen der Schilddrüse

Von der Autonomie kann die gesamte Schilddrüse betroffen sein oder aber auch nur ein umschriebener Bezirk, man spricht dann von einem autonomen Adenom.

Bei vielen älteren Menschen haben sich durch die enorm schlechten Ernährungsverhältnisse in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der dadurch gegebenen “Jodknappheit” einige der in jeder Schilddrüse vorhandenen autonomen Areale weiter ausgebildet. Die erfreulicherweise plastische Schilddrüse hat sich sozusagen “angepaßt”. Dieses Anpassungsergebnis kann aber nicht als “krankhaft” bezeichnet werden ! Die Träger dieser stärker ausgebildeten Areale blieben mit großer Wahrscheinlichkeit bis an ihr Lebensende frei von Hyperthyreose und Folgeerkrankungen, würden sie nicht durch die verdeckten und künstlichen Jodzusätze und das für sie damit verbundene plötzliche Jod-Überangebot in die Überfunktion ihrer Schilddrüse und die Folgeerkrankungen getrieben. 

Schilddrüsenoperation

Jede Operation birgt ein Risiko in sich. Die Schilddrüsenoperation ist besonders risikoreich, da diese Drüse stark durchblutet ist (Nachblutungsgefahr) und sich die Stimmbandnerven und Nebenschilddrüsen in unmittelbarer Nachbarschaft befinden. So kommt es in 1-2% der Fälle zur dauerhaften Recurrensparese (Stimmbandlähmung), die Rate des vorübergehenden Ausfalls der Stimme (bis zu ½ Jahr) liegt noch höher. Die ungewollte vollständige Entfernung der Nebenschilddrüsen ist durch den Fortschritt der Operationstechnik heute selten, sie führt zum Ausfall der Parathormonproduktion mit schweren Störungen im Calciumstoffwechsel und Muskelkrämpfen (Tetanie). Schließlich sind die Patienten nach der Schilddrüsenentfernung in den meisten Fällen (abhängig davon, ob und wie viel Restgewebe belassen wurde) ihr Leben lang auf die Einnahme von Schilddrüsenhormonen angewiesen. Die richtige Einstellung ist in manchen Fällen schwierig, da die natürliche Regelung der bedarfsgerechten Produktion von T3 und T4 in der Schilddrüse nicht mehr gegeben ist.

Radiojodtherapie

Dass auch die Radioiodtherapie nicht frei von Nebenwirkungen ist, belegt die Fachliteratur. Durch die zum Teil großflächige Zerstörung des Schilddrüsengewebes besteht die bekannte und einkalkulierte Gefahr der Entstehung einer Späthypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) noch viele Jahre nach der Behandlung (man rechnet mit 3% pro Jahr, sodass nach 24 Jahren 72% der Patienten betroffen sind), die bei Nichtbehandlung mit Schilddrüsenhormonen zu einem langsamen Erlöschen der Lebensfunktionen und zum Tod führen kann. Auch über eine abnorme Empfindlichkeit, die in eine schwere Hypothyreose mündet, gegenüber selbst kleinen Mengen Iod wird berichtet. Eine strahlenbedingte Entzündung der Schilddrüse kann entstehen. Sie ist vorübergehend, kann jedoch bei großen Strumarezidiven (wenn eine Struma sich trotz vorangegangener Operation wieder vergrößert und dann radioaktiv behandelt wird) zu Schwellungen und akuter Atemnot (Asphyxie) führen. Die Strahlenbehandlung einer akut hyperthyreoten Schilddrüse ist mit einer Freisetzung von T3 und T4 durch die Gewebezerstörung verbunden, was die Hyperthyreose noch verstärken und in Einzelfällen eine thyreotoxische Krise mit Todesfolge einleiten kann. Die Sterblichkeitsrate nach Radioiodbehandlung einer hyperthyreoten Schilddrüse ist speziell innerhalb des ersten Jahres nach Behandlung erhöht. Die Speicheldrüsen, die ebenfalls Iod akkumulieren, können angegriffen werden, was zu Schwellungen, Mundtrockenheit, Karies und Beeinträchtigung der Verdauung führen kann. Das Lutschen saurer Bonbons während der Wirkungsphase der Radionuklide fördert die Sezernierung von Speichel und Ausleitung von 131I, womit das Risiko vermindert werden kann. Das Blutbild wird langfristig verändert: Selbst 65 Monate nach der Radioiodbehandlung zeigten 4,4-35% der Patienten eine Abnahme der Thrombozyten, Erythrozyten, Leukozyten oder aller Lymphozyten. Kinder unter 10 Jahre (frühere Grenze: 40 Jahre) sollten wegen der Gefahr des Schilddrüsenkrebses nicht mit radioaktiven Iodisotopen behandelt werden, das legen die Erkenntnisse nach Tschernobyl nahe. In den USA ist dies trotzdem durchaus gängige Praxis.

 

Quellen: jodkrank.doc , www.morbusbasedow.de, Morbus Basedow.doc

Interessant ist auch die Seite http://www.schilddruese-augsburg.de.

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