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Auszug aus dem “Gutachten zur Beurteilung der Gefährdungslage durch den Verzehr von nitrit-/nitratgepökelten Fleischwaren beim Menschen”
Die primäre Toxizität von Nitrat (NO3) kann als gering eingestuft werden. Die tödliche Dosis liegt beim Menschen in
einer Höhe von 200 mg/kg Körpergewicht, was bei einem durchschnittlich großen Erwachsenen dem Konsum einer einmaligen Dosis von 10-15 g Nitrat entspräche. Oral aufgenommenes Nitrat wird im Darm resorbiert und
größtenteils unverändert über die Nieren eliminiert. Allerdings wird im Bereich der Mundhöhle und des Magen-/Darmtraktes durch die dort angesiedelte mikrobielle Flora ein Teil des aufgenommenen Nitrats in Nitrit
(NO2 ) umgewandelt. Dieser Prozeß wird als endogene Nitritbildung bezeichnet (Mersch-Sundermann 1999). Tricker et al. (1989) konnten zeigen, daß bei Personen, in deren Speichel eine Nitratbelastung von 16-80
mg/l nachweisbar war, immerhin eine Menge zwischen 2,8-23 mg/l Nitrit vorhanden war. Die Nitritbildung scheint durch eine pathologische Keimbesiedelung (z.B. mit Helicobacter pylori) im Bereich des oberen
Verdauungs- traktes sogar noch erhöht zu werden. Das (u.a. sekundär im menschlichen Organismus aus Nitrat gebildete) Nitrit stellt das hauptsächliche und direkte Gefährdungspotential für den Menschen dar. Für
Nitrit wird eine Letaldosis von 25-50% des Nitrats beschrieben, so daß bereits 1-2 g Nitrit bei einem durchschnittlichen Erwachsenen schwere Vergiftungserscheinungen hervorrufen können. Für die akute
Giftigkeit des Nitrits ist seine Fähigkeit verantwortlich, den roten Blutfarbstoff Hämoglobin (Hb) in Methmoglobin (Met-Hb) umzuwandeln, in dem Nitrit das zweiwertige Eisen des Hb in dreiwertiges Eisen oxidiert.
Dadurch ist keine Sauerstoffabgabe in das Gewebe mehr möglich und je nach Aufnahmedosis besteht die Gefahr des inneren Erstickens, welche sich klinisch in Zyanose (Blausucht) äußert. Unter
physiologischen Bedingungen beträgt der Met-Hb-Anteil im Blut 0,5-2%, jedoch wird ab 20%Met-Hb-Anteil eine Zyanose klinisch relevant, ab 40% treten gefäßerweiternde Effekte ein (Schwindel, Somnolenz (Schlafsüchtig), Unwohlsein, Übelkeit) und ab 70-80% Met-Hb-Anteil treten Krämpfe hinzu und es besteht akute Lebensgefahr (Mersch-Sundermann 1999).
Säuglinge sind besonders anfällig für Nitritvergiftungen, da sie über einen hohen Anteil fetalen Hämoglobins (HbF) verfügen, der
leichter durch Nitrit in Met-Hb umgewandelt werden kann als das Hb des erwachsenen Menschen. Zudem begünstigt die bei Säuglingen vorhandene niedrigere Azidität des Magens die Umwandlung von Nitrat in Nitrit. Auch
verfügen Säuglinge nur über etwa 1/3 der für die Met-Hb-Rückreduktion notwendigen enzymatischen Ausstattung (NADH Cytochrome b5 Reduktase = Met-Hb-Reduk- tase) und auch die nitritabfangende Gluthationperoxidase ist
in nicht ausreichender Menge vorhanden (Mersch-Sundermann 1999). Besonders gefährdet sind hierbei Kinder im Alter bis zu 6 Monaten, da deren Met-Hb-Reduktase- Spiegel erst nach dieser Zeit auf das Niveau von
Erwachsenen ansteigt (Avery 1999).
Aufgrund von Beobachtungen von Comley (1945) wurde seit den späten 1940iger Jahren angenommen, daß eine erhöhte kindliche
Meth-hämogobulinämie-Rate mit der Nitratbelastung des Trinkwasser korreliert.
Auch in der BRD wird empfohlen, Säuglingsnahrung nicht mit Trinkwasser, welches einen Nitratgehalt von über 10 mg/l aufweist, zuzubereiten
(Mersch-Sundermann 1999). Neben der akuten Giftigkeit von Pökelsalzen, dem Nitrat bzw. Nitrit beigemischt sind, bestehen weitere Gesundheitsgefährdungen für den Men- schen, die sich auf die endogene und exogene
Reduktion von Nitrat zu Nitrit bzw. die weitere Um- wandlung von Nitrit zu N-Nitrosaminen durch diverse Katalysatoren im menschlichen Organismus zurückführen lassen. Durch aus der Nahrung aufgenommenes Nitrit
(NO2 - ) kann im sauren Milieu des Magens N2 O3 erzeugt werden, welches wiederum bei Vorhandensein von Nitrosierungsmitteln oder Kata- lysatoren (z.B. Bromid, Chlorid, Formaldehyd, Lecithin und anderen
ammonium-haltigen und oberflächenaktiven Substanzen, Phenole, Vitamin B6 , Thiocyanat oder Zellwänden von Mikroorganismen) in Nitrosamine umge- wandelt werden kann. Nach Mersch-Sundermann (1999) sind 90% aller
dieser N-Nitroso-verbindungen zumin- dest im Tierversuch starke Kanzerogene, wobei im Rattenmodell bereits die Einmalgabe von 300 µg ausreicht, um Tumoren zu erzeugen.
Für N-Nitroso-verbindungen wie Dimethyl- oder Diethylnitrosamin ist sogar keine Tierart bekannt, bei der durch Gabe von N-Nitrosoverbindungen
keine Tumoren induziert werden können.
rz-consult R. Ziegler, Wadhölzbacherstr.15, D-66709 Weiskirchen 13.10.2000
Aufnahme von Nitrat und Nitrit
Die durchschnittliche Aufnahme von Nitrat in der Bundesrepublik beträgt 130 mg täglich.
Von dieser Menge stammen ca. 70% aus dem Verzehr von Gemüse, 20% vom Trinkwasser und rund 10% aus gepökeltem Fleisch. Die WHO (Welt-Gesundheits-Organisation) und die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung)
gehen von einer duldbaren Menge Nitrat von 220 mg/Tag aus. Dieser Wert sollte jedoch nicht dazu führen, sich vollständig sicher zu wähnen. Der Grenzwert schließt nämlich mögliche Umwandlungen zu Nitrosaminen nicht
mit ein. Ferner hängt die Nitrataufnahme in hohem Maße von den individuellen Verzehrgewohnheiten ab, so daß "Gemüseliebhaber" besonders gefährdet sind. Außerdem schwanken die Nitratgehalte des Gemüses in
Abhängigheit von z.B. der Jahreszeit wie bei keinem anderen Inhaltsstoff sonst.
Bei Nitrit liegt die tägliche durchschnittliche Aufnahme in Deutschland bei 2-5 mg/Tag.
Auch hier liegt die Aufnahmemenge der Deutschen unter dem von der WHO tolerierten Grenzwert von 7,98 mg/Tag. Hauptlieferant des Nitrits sind gepökelte Fleischwaren.
Nitrat im Trinkwasser
Die durchschnittliche Aufnahme von Nitrat über dasTrinkwasser beträgt zwar, wie oben berichtet, nur 20%, kann aber, je nach
Belastung des Trinkwassers auch erheblich darüber liegen. Daher lohnt es sich darüber nachzudenken, wie der Anteil Nitrat aus dem Trinkwasser reduziert werden kann.
Wie kommt Nitrat ins Trinkwasser?
Nitrat kommt als Bestandteil von Natur- und Kunstdünger in den Boden. Da es wasserlöslich ist, kommt es auf diese Weise auch in
das Grundwasser. Da das Grundwasser aber auch die Quelle unseres Trink- wassers ist, nehmen wir z.B. mit jeder Tasse Kaffee auch Nitrat auf. Es sind zwar in den letzten Jahren große Anlagen zur Denitrifizierung des
Trinkwassers in Betrieb genommen worden, allerdings gibt es diese Anlagen noch nicht flächendeckend. Besondere Beachtung ist dem Nitratgehalt zu schenken, wenn das Wasser zur Herstellung von Säuglingsnahrung benutzt
werden soll. Beim zuständigen Wasser- werk kann die Nitratbelastung des Trinkwassers erfragt werden. Eine Alternativ bieten im übrigen auch Mineralwässer, die entsprechend gekennzeichnet sind: Ist auf dem Etikett
der Hinweis "geignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung" zu finden, darf der Nitratgehalt max. 10 mg/l betragen. Der Nitritgehalt darf 0,02 mg/l nicht überschreiten. Darüber hinaus existieren für so
gekennzeichnetes Wasser noch Grenzwerte für Natrium, Fluorid und Sulfat. Aber auch für normales Leitungswasser wurde vom Gesetzgeber mit der Trinkwasserverordnung ein Grenzwert von 50 mg Nitrat und 0,1 mg Nitrit pro
Liter Trinkwasser festgelegt. Ein Tip, um den Nitratgehalt des Trinkwassers zu reduzieren: In neu verlegten verzinkten Trinkwasserleitungen wird vorhandenes Nitrat durch das Zink in Nitrit reduziert. Dabei kann
es zu einer bis zu 100fachen Überschreitung des Grenzwertes für Nitrit kommen. Aber auch bei älteren Leitungen kommt es, wenn das Wasser längere Zeit in der Leitung gestanden hat, (in geringerem Ausmaß) zu einer
solchen Umwandlung. Die im Wasser vorhandenen Bakterien wandeln in dieser Zeit das Nitrat zu Nitrit um. Benutzen Sie daher morgens das erste Wasser z.B. zum Blumen gießen und erst das folgende Wasser für die
Nahrungsmittelzubereitung.
Leeren Sie geöffnete Konservendosen möglichst sofort.
Nitrat, Nitrit und Nitrosamine in Lebensmitteln
Nitrat
Der größte Teil des Nitrates, Nitrits und der Nitrosamine wird über die Lebensmittel aufgenommen. Gemüse ist der Hauptliefernat
von Nitrat. Grund zur Besorgnis besteht jedoch erst, wenn das Nitrat durch Bakterien zu Nitrit umgewandelt wird. Dies ist der Fall, wenn z.B. nitratreiches Gemüse wie Spinat nochmals erwärmt wird.
Die Nitratkonzentration im Gemüse ist von einigen Faktoren abhängig:
Die Nitratkonzentartion steigt mit zunehmender Stickstoffdüngung. Da z.B. ökologisch angebautes Gemüse weniger gedüngt wird,
ist es fast immer nitratärmer.
Die Dauer der Sonneneinstrahlung ist ebenfalls ein entscheidender Faktor für den Nitratgehalt. Je Länger die Dauer der
Sonneneinstrahlung ist, desto geringer ist der Nitratgehalt. Da die Pflanze Nitrat zum Aufbau von Eiweiß benötigt, kann es, bei einem vermehrten Aufbau des Eiweißes (z.B. im Sommer bei langer Sonnenscheindauer),
kaum Nitrat speichern. Aber auch schon innerhalb eines Tages sind deutliche Unterschiede des Nitratgehaltes im Gemüse festzustellen. Morgens liegen die Nitratgehalte höher als am Abend, nach entsprechender
Sonnenscheindauer.
Da im Winter die Sonne kürzer und weniger intensiv scheint, liegen die Nitratwerte in dieser Jahreszeit ebenfalls über denen
im Sommer. Der Gesetzgeber hat dieser Tatsache dadurch Rechnung getragen, daß im Winter der Grenzwert für den Nitratgehalt im Kopfsalat höher ist als im Sommer.
Da Nitrat in der Pflanze nicht gleichmäßig verteilt ist, spielt für die Nitrataufnahme auch eine Rolle, welche Teile der Pflanze
verzehrt werden. Nitrat reichert sich besonders in den wasserleitenden Segmenten der Pflanze an und ist daher in größerer Menge in den Stielen, Blattrispen und den äußeren grünen Blättern zu finden.
Nitrit
Nitrat und auch Nitrit sind Bestandteile von Pökelstoffen. Nitrat kommt im Salpeter (Natriumnitrat bzw. Kaliumnitrat) vor, Nitrit
im Nitritpökelsalz, das heute vorzugsweise eingesetzt wird. Ca. 90% der heute in Deutschland produzierten Wurstsorten sind gepökelt. Das Pökeln ist eigentlich eine Konservierungsmethode, die Wurstwaren vor dem
Befall durch das Bakterium Clostridium botulinum schützen soll. Clostridien produzieren ein extrem gefährliches Gift, das in kurzer Zeit zum Tod durch Ersticken führt. Allerdings wird auch aus optischen und
geschmacklichen Gründen gepökelt. Durch den sogenannten Umrötungsprozeß bleibt das Fleisch rötlich und wird nicht grau. Außerdem ensteht durch das Pökeln das typische Pökelaroma.
Das Pökeln erfolgt stets mit einer Mischung ( dem sog. Nitrit-Pökel-Salz) aus Kochsalz (65g/kg Wurstmasse) und einem geringen Anteil an Natrium- bzw. Kaliumnitrat oder Natrium- bzw. Kaliumnitrit (20-25g/kg
Wurst- masse, E 251,E 252, E250, E 251)
Wer auf gepökelte Ware verzichten will, hat es gar nicht so einfach. Lediglich Brühwürste, die in ihrer Produkt- bezeichnung die
Wortteile "Brat-, Grill- oder Weiß-" enthalten (Weißwürste, Nürnberger Rostbratwürste, etc.) und Hackfleisch sowie Fleischklößchen und Fleischfüllungen dürfen nicht gepökelt werden. Aber auch bei der
Herstellung von Schnittkäse, Halbkonserven aus Sprotten und Heringen darf Nitrit verwendet werden. Auch Lachs darf mit Nitrit behandelt werden. Da, wie schon erwähnt, Nitrit und nicht das Nitrat der
eigentlich gesundheitsgefährdende Stoff ist, sollte die Aufnahme von gepökelter Ware möglichst gering sein. Wie von verschiedener Seite immer wieder berichtet wird, ist Pökelsalz ein Stoff, der nach heutigen
Maßstäben wohl erst gar nicht mehr als Zusatzstoff zugelassen werden würde. Lediglich die Tatsache, daß der Verbrau- cher sich inzwischen an das Aussehen und das Aroma der gepökelten Ware gewöhnt hat und natürlich
die Clostridienproblematik, sind die Gründe, warum immer noch gepökelt wird.
Nitrosamine
Auch Nitrosamine sind leider in einigen Lebensmitteln enthalten. Größte Aufnahmequelle ist das Bier.
Fast 50% der aufgenommenen Nitrosamine entstammen dem Bier. Diese entstehen beim Darren des Gersten- malzes. Auch in gepökelten Fleischwaren
sind in geringen Mengen bereits Nitrosamine enthalten. Eine Potenzierung dieses Gehaltes erreicht man durch das Erhitzen von gepökelter Ware. Besonders gefährlich ist das gemeinsame Erhitzen von gepökelter
Wurst und Käse. Das Nitrit aus dem Fleisch und die Amine aus dem Käse können so besonders gut zum Nitrosamin reagieren. Oft ist es aber genau diese Lebensmittelkombination, die zusammen erhitzt wird. So z.B.
beim Toast Hawaii oder bei einer Salamipizza. Auch Raucher nehmen durch den Zigarettenrauch erhebliche Mengen Nitrosamine auf.
Nitrosamine können in folgenden Lebensmitteln auftreten: Schinken, Schweinefleisch, Fleischkonserven, Schweineleber, in verschiedenen
Würsten, in Fischen, verschiedenen Käsesorten, Sojaöl, Bier und Wein.
Durchschnittliche Nitratgehalte verschiedender Gemüse- und Salatsorten
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Hohe Nitratgehalte (> 1000 mg/kg)
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Mittlere Nitratgehalte (ca. 500-100 mg/kg)
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Niedrige Nitratgehalte (< 500 mg/kg)
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Endiviensalat Feldsalat Kohlrabi Kopfsalat Kresse Mangold Portulak Radieschen Rettich
Sellerie Rote Bete
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Chinakohl Eisbergsalat Fenchel Frisée Grünkohl Spinat Weißkohl Wirsing
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Auberginen Bohnen Blumenkohl Broccoli Chicore Erbsen Gurken Kartoffeln Möhren Paprika
Pilze Porree Rosenkohl Spargel Tomaten Zwiebeln
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Quelle: http://www.inform24.de/nitro.html
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